Wirtshauskultur

Beautiful outdoor cafe

Biergarten oder Gastgarten? Und warum eigentlich Kastanien?

Eigentlich erscheint die Entstehung der Biergärten ganz einfach: Gasthäuser haben im Freien Schankflächen eingerichtet, damit das ganze im Sommer schön gemütlich ist noch ein paar Bäume gepflanzt – und fertig. Doch so einfach ist das Ganze nicht. Tatsächlich standen die ersten Biergärten in Konkurrenz zu den Wirtshäusern!

Der Ursprung liegt im München des 16. Jahrhunderts. Damals wurden hier untergärige Biere gebraut; diese benötigen für die Gärung relativ niedrige Temperaturen. Im Sommer führte dies zu Problemen, außerdem bestand im ohnehin engen München eine hohe Brandgefahr wegen der hohen Temperaturen der Sudkessel. Deshalb wurde das Bierbrauen nur zwischen St. Michael im September und St. Georg im April erlaubt. Dazwischen wurde das Bier in sog. Bierkellern außerhalb von München gelagert. Die Brauer verkauften dann das Bier direkt vor den Kellern, schließlich wurden noch Tische und Bänke für den sofortigen Verzehr aufgestellt. Wegen eines Protests der Wirte, die damit eine starke Konkurrenz erhielten, verbot König Ludwig I. 1812 per Verordnung den Verkauf von Speisen und Getränken mit Ausnahme von Bier und Brot. Deshalb kann man in traditionellen Biergärten auch heute noch selbst mitgebrachte Speisen verzehren, auch wenn der Begriff heutzutage meist weiter gefasst ist und auch Gastgärten einschließt, in denen dies nicht möglich ist.

Und übrigens – dass in den meisten Biergärten Kastanienbäume zu finden sind, liegt nicht an der Einfallslosigkeit der Wirte, sondern entspricht der Tradition: Vor den alten Bierkellern wurden zur Kühlung diese schattenspendenden Bäume gepflanzt.

Stammtisch-Spiele

„Wenz“, „Solo“, „Schmiere“, „Sau“ – nicht selten beobachtet man in bayerischen Gasthäusern Kartenspieler, die sich mit kryptischen Begriffen unterhalten. Da geht es um den „Oidn“ (der Alte für die des Bayerischen nicht Mächtigen!) oder die drei „Kritischen“, von denen einer anscheinend der Max ist. Aber daraus zu folgern, dass der Wenz jetzt wieder solo ist, nachdem er sich von seiner Freundin getrennt hat und außerdem Schmiere für den Opa gestanden hat, der ein Schwein abgestochen hat, was wiederum der kritische Max beobachtet hat, das wäre nicht ganz richtig…tatsächlich handelt es sich um Spielbegriffe!

Die beiden wichtigsten und für die Region typischen Kartenspiele sind der Schafkopf und das Watten. Beide sind untrennbar mit der Bayerischen Tradition und Wirtshauskultur verbunden.

Spieler: 4

Karten: 32

Die Regeln: kompliziert…

Wenn am Stammtisch in Bayern Karten gespielt werden, dann ist es meist der Schafkopf. Auf den ersten Blick wie jedes andere Spiel (jeder Spieler bekommt 8 Karten, dann wird reihum ausgelegt, die höchste Karte sticht), wird schon nach kurzem Zuschauen klar, dass es so einfach nicht ist. Zunächst einmal die Reihenfolge der Karten beim Stechen: Der höchste Trumpf ist der Eichel Ober („der Oide“ – der Alte), nicht wie man meinen könnte ein Ass. Danach folgen Gras, Herz und Schellen Ober, gefolgt von den Untern in derselben Reihenfolge wie die Ober. Anschließend kommen die Herz-Karten in der Reihenfolge Ass, 10, König, 9, 8, 7. Aber dann wird plötzlich der „Wenz“ gespielt und nur noch Unter sind Trumpf! Das ist jedoch nicht genug, bei einer anderen Variante, dem „Solo“, werden die Herz-Karten durch eine andere Farbe als Trumpf ersetzt. Ein „DU!“ ist keine Drohung, sondern meint das französische „Tout“, ein „Sie“ ist nicht nur als Anrede des Stammtischbruders legendär (ein Blatt mit den 8 höchsten Trümpfen, also allen 4 Obern und 4 Untern, wird so genannt). „Sau“ ist kein Schimpfwort, sondern so heißt das Ass im Bayerischen Blatt; beim „Schmieren“ werden weder Kartengeber noch Wirt bestochen, sondern Karten mit hohen Punktwerten dem Partner zugegeben. Wie? Welchem Partner…?

Alles in allem also höchst kompliziert. Doch wenn man die Regeln erst einmal verstanden hat, macht der Schafkopf auf jeden Fall eines: Spaß!

Die Spielregeln werden z. B. unter www.schafkopfschule.de erklärt. Aber Achtung: Von Region zu Region, vom Stammtisch zu Stammtisch können die Regeln leicht abgeändert und zusätzliche Spielarten zulässig sein…

Neben dem Schafkopf ist das Watten das zweite „urbayerische“ Spiel. Gespielt wird auch hier mit 32 Karten und 4 Spielern, aber hier spielen die gegenübersitzenden im Team zusammen.

Jeder Spieler bekommt 5 Karten; es wird im Uhrzeigersinn reihum ausgespielt, wobei der Spieler beginnt, der links vom Geber sitzt. Die höchste Karte sticht, wobei die Kartenreihenfolge wie folgt festgelegt ist:

Die höchsten Stiche sind die drei Kritischen: Der Max (Herz-König), der Welli (Schellen 7) und der Spitz (Eichel 7). Danach kommen die sog. Schläge, dafür wird ein bestimmter Kartenwert angesagt (z. B. Ober), nach diesen die Trümpfe, für die eine bestimmte Farbe angesagt wird (z. B. Gras). Logischerweise ist eine Karte dann sowohl Schlag als auch Trumpf, das ist der sog. „Rechte“. Diese Karte ist die vierthöchste nach den Kritischen. Die Trümpfe und auch die restlichen Karten zählen jeweils in der „normalen“ Reihenfolge des absteigenden Kartenwertes. Wird kein Kritischer, Schlag oder Trumpf gespielt, dann sticht die zuerst ausgespielte Farbe.

Wer den Stich gemacht hat, legt die nächste Karte aus. Das Team, das zuerst drei Stiche gemacht hat, hat gewonnen und bekommt in der Regel 2 Punkte. Mit 15 Punkten ist eine Runde gewonnen.

Ähnlich wie das „Sie“ beim Schafkopf besteht auch beim Watten natürlich die Möglichkeit, dass ein Spieler alle drei Kritischen auf einmal hat (das ist die sog. „Maschine“). Dann werden die Karten auch hier gleich aufgedeckt und nicht gespielt.

Das Besondere am Watten ist das „Deuten“: Weil die Gegenüber ja nicht wissen, welche Karten der jeweils andere hat, werden „Geheimzeichen“ in Mimik und Gestik genutzt, die allerdings nicht so geheim sind, weil es meist die gleichen sind. Geschürzte oder gespitzte Lippen zeigen z. B. in der Regel den Max an.

Natürlich gibt es aber auch beim Watten Besonderheiten und Ausnahmen. Mehr dazu gibt es z. B. bei Wikipedia oder noch besser: einfach beim nächstgelegenen Stammtisch erklären lassen!

Musikantenfreundliches Wirtshaus

In echt bayerischer Atmosphäre das regionale Bier genießen – ein besonderes Schmankerl sind dabei die Wirtshäuser, in denen dazu musiziert wird, und zwar nicht im Rahmen einer festen Veranstaltung auf einer Bühne, sondern lebensecht und hautnah. In den „Musikantenfreundlichen Wirtshäusern“ passiert das heute noch. Hier spielen Musiker aus der Region auf, bezahlt mit Getränken und einer Brotzeit, und das Ganze mitten im Publikum und ohne festes Programm – mitsingen und mitklatschen erlaubt! Erkennbar sind diese Wirtshäuser durch ein entsprechendes Schild.

Seit fast 20 Jahren, nämlich seit 1996, gibt es das Projekt der musikantenfreundlichen Wirtshäuser des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes und der bayerischen Bezirke. Insgesamt beteiligen sich mehrere hundert Wirtshäuser am Projekt. Welche Wirtshäuser dabei sind, können Sie hier erfahren.

Nähere Informationen gibt es unter www.musikantenfreundlicheswirtshaus.de.